13. Januar 2012

Schonmal was vom Buschschliefer gehört?

Buschschliefer sind überall in unserem Camp in Büschen und Bäumen vertreten, wo sie sich im Schatten aufhalten und die pralle Sonne meiden. Dort leben sie in Kolonien von bis zu 60 Tieren zusammen, die jeweils von einem dominanten Männchen angeführt werden.

Buschschliefer
Tagsüber beschäftigen sich diese Pflazenfresser fast ausschließlich mit der Nahrungsaufnahme. Auf Ihrem Speiseplan stehen Gräser, Blätter, junge Triebe, Knospen und Blüten. Dabei halten immer einige erwachsene Männchen wache, denn die Zahl ihrer Fressfeinde ist groß. Hierzu zählen Schakale und Greifvögel, aber vor allem auch Leoparden, deren Leibspeise die Schliefer sind. Droht der Kolonie Gefahr flüchten alle in Höhlen und Spalten in den Bäumen und Felsen. Da die Sinne der Buschschliefer, insbesondere Ihr Hör- und Sehvermögen hoch entwickelt sind, ist es sehr schwierig diese aus der Nähe zu fotografieren.


Von den eigentlich tagaktiven Tieren hören wir besonders nachts, wenn die ansonsten friedlich wirkenden Baumschliefer Ihre Revierkämpfe zwischen den Kolonien und Ihre Dominazkämpfe zwischen den Männchen innerhalb einer Kolonie ausfechten. Dabei erinnern Ihre lautstarken Kampfschreie entfernt an das krächzen von Krähen.

Auch wenn ihr Aussehen und ihre Größe es kaum erahnen lassen sind die Buschschliefer eng mit Elefanten und Seekühen verwandt. In der Überordnung der Afrotheria bilden die Buschschliefer neben den Rüsseltieren eine eigene Ordnung.

Das kribbelnde Gefühl auf Safari

Kronenkiebitze im Flug
Im Januar, außerhalb der Urlaubssaison, gehen die Besucherzahlen im Masai Mara Nationalpark zurück. Dementsprechend niedrig ist die Nachfrage nach Ballonsafaris und so verging meine erste Woche hier ohne eine einzige Ballonfahrt. Nach Einarbeitung in die organisatorischen Abläufe im Unternehmen und etwas Papierkram blieb erst einmal nichts weiter zu tun als das schöne Wetter und die atemberaubende Schönheit der Natur zu genießen. Vor eigen Tagen entschlossen wir daher, eine ganztägige Ausfahrt im Nationalpark zu unternehmen und auf Fotosafari zu gehen.

Massaigiraffen
Das Gras in Savanne steht zur Zeit in Folge von den regelmäßigen, nächtlichen Regengüssen der vergangenen zwei Monate teilweise mannshoch, was den Gazellen, Zebras und Gnus selbst nicht geheuer ist, da die Räuber, wie Löwen, Hyänen, Geparden und Leoparden, farblich an das Goldgelb hervorragend angepasst sind, und selbst dann kaum auszumachen sind, wenn man sie direkt vor sich hat. Daher sind viele Tiere in andere Regionen abgewandert. Ich hörte wie zwei Touristenführer sich darüber beklagten, wie schwierig es zur Zeit sei, die Tiere in der Savanne auszumachen, und im Scherz meinten, das Gras wüchse sogar höher als die Bäume. Daher hielt ich es für angebracht uns diesmal einen sach- und ortkundigen Führer zu nehmen, anstatt mich völlig selbstständig auf die Suche nach dem Wild zu machen. Wir heuerten daher Rotich an, der sowohl zu Balloncrew gehört, aber auch zu einem der besten Führern im Unternehmeinen zählt.

Steppenzebras
Pünktlich, um acht Uhr morgens, fuhr er den Ihm zugeteilten Landcruiser vor, den er fünf Tage zuvor unter einem Busch geparkt und mangels Kundschaft seither nicht mehr bewegt hatte. Um keine Zeit zu verlieren, beeilten wir uns sämtliche Kameras samt Zubehör und eine Kühlbox mit Kaltgetränken im Wagen zu verstauen und verließen gleich das Camp. Ich nahm gerade Einstellungen an den Fotokameras vor, als Joyce vorschlug, das Fahrzeugdach zu öffnen. Alle Tourfahrzeuge hier draußen, haben ein Sonnendach, um das Fotografieren aus dem Wagen in jede Richtung zu ermöglichen. Es erschien mir eine gute Idee, auch diese Vorbereitung zu treffen, um nicht im entschiedenen Moment ein gutes Motiv zu verpassen. Ich unterbrach meine Arbeit an der Kamera, löste in voller Fahrt die Halterungen, drückte das Dach nach oben bis die Sperre einrastete und lies mich gleich wieder in den Sitz fallen, um mich weiter einer Kamera zu widmen. Ein Insekt krabbelte mir über die Stirn und ich wedelte, ohne mich weiter von meiner Kamera ablenken zu lassen, mit der Hand vor meinem Gesicht her, um die vermeintliche Fliege zu verscheuchen, als Joyce neben mir einen erstaunten Laut von sich gab und dann rief “Raus, raus, raus”. Sogleich breitete sich das Kribbeln von meiner Stirn über meinen ganzen Körper aus, als ich erkannte, dass ich über und über mit tausenden, winzigen Ameisen übersäht war. Ich blickte an mir herab und sah das der Sitz zwischen meinen Beinen nicht mehr zu sehen war, nur ein krabbelndes Gewirr aus schwarzen Ameisen. Und wie ich so herabschaute, ergoss sich weiter ein Regen aus Krabbelvieh in meinen Nacken. Rotich war gleich nach dem Ausspruch meiner Frau auf die Bremse getreten, aber noch bevor der Wagen zum stehen kam, hatte ich die Tür aufgerissen und war raus gesprungen. Und Joyce folgte mir zu gleich.

Ein hungriger Schakal schaut
zwei Löwen beim Fressen zu

In den fünf vorangegangen Tagen, als der Wagen nicht genutzt wurde, hatte sich unter dem Rand der Haube des Sonnendaches eine Ameisenkolonie gebildet, die sich, als ich das Dach öffnete wie ein Wasserfall von allen Seiten in den Wagen ergossen hatte. Hier standen Joyce und ich nun in der Savanne und schüttelten uns die Insekten aus sämtlichen Kleidungsstücken und vom Körper, während Rotich den Landcruiser von innen und außen von den Ameisen befreite. Glücklicherweise handelt es nur um eine harmlose, kleine Spezies und nicht um die Safariameisen, die so groß sind wie das Endglied meines kleinen Fingers, deren Bisse recht wehtun und die zudem, von einem Duftstoff geleitet, alle gleichzeitig zubeißen würden.

Agressiver Elefantenbulle
Nach dem wir alle Ameisen beseitigt hatten, setzten wir unseren Ausflug fort und verbrachten einen herrlichen Tag. Dank Rotichs Fachkenntnis und seinem guten Auge konnten wir unzählige verschiedene Tiere aufspüren. Unsere Ausbeute des Tages bestand in annähernd 700 Aufnahmen, einige darunter zählen wir zu unseren besten Motiven. Nur besaßen wir nicht die Gelassenheit uns gegenseitig mit unseren Ameisen zu fotografieren.

5. Januar 2012

Haustiere

Hemidactylus frenatus
Gestern Abend, ich lud gerade die Bilder des ersten Beitrags hoch, da hörte ich meine Frau im Badezimmer aufschreien. Ich ahnte was los war, Joyce hat große Furcht vor Schlangen, aber auch vor allen anderen Reptilien. Schlangen sind glücklicherweise recht selten und verirren sich so gut wie nie in menschliche Behausungen, haben sie doch genauso viel Angst vor uns, wie Joyce vor Ihnen. Trotzdem eilte ich gleich ins Badezimmer um nachzuschauen. Ich fand Joyce vor, bedrängt von einem der vielen Geckos die des Nachts rund ums Haus Jagd auf Mücken und Motten machen. Erleichtert, darüber dass es nur ein Gecko war der Joyce erschreckt hatte, machte ich kurzerhand diesen Schnappschuss und lies den Burschen dann weiter seinem Appetit frönen. Joyce hatte sich inzwischen wieder von dem Schreck erholt und ist ebenfalls dankbar dafür, dass unser Mitbewohner die Zahl der Stechmücken im Haus reduziert.

Internetverbindung im Busch?

Den gestrigen Morgen habe ich damit verbracht unsere Internetverbindung einzurichten.

Surfstick und Simkarte werden im Laden des Mobilfunkanbieters Safricom für 1.990 Ksh (umgerechnet etwa 20,- €) verkauft. Guthaben für Safaricom Mobilfunkverbindungen kann man überall in jedem Laden, teilweise auch in Restaurants, in Form von Rubbelkarten erwerben. Für ein unbegrenztes Datenvolumen für 30 Tage benötigt man ein Guthaben von 3.000 Ksh (etwa 30,- €).

Ich bin doch sehr beeindruckt, wie schnell das alles ging. Wer kennt das nicht, auf die Freischaltung einer Internetverbindung per Telefonnetz oder eines Prepaid  Mobilfunkvertrags wartet man in Deutschland teilweise mehrere Wochen. Wenn man erst mal weiß wie es geht, dauert es hier nur wenige Minuten.

Einfach Simkarte in den Surfstick einlegen, diesen in den USB-Port stecken und schon installiert sich alles von selbst, inklusive der für die Einwahl notwendigen Daten. Dann das Guthaben über die Software auf die Simkarte laden. Hier nun der Haken. Als letztes muss das Guthaben auf der Simkarte in einen Tarif mit dem Gewünschten Datenvolumen umgewandelt werden. Hierzu liegt dem Surfstick leider keine Anleitung bei. Die gibt es auf der Internetseite von Safaricom, auf die man aber erst zugreifen kann, wenn man ein Datenvolumen gekauft hat. Glücklicherweise konnte ich den Computer der Lodge nutzen um den letzten Schritt in Erfahrung zu bringen. Über die Software wird eine kostenlose SMS mit dem gewünschten Datenvolumen an den Mobilfunkanbieter versandt. Die Rufnummer dazu erhält man aber nur von der Website oder über die Hotline. Nur 10 Sekunden später erfolgt die Antwort und die Einwahl ist möglich.

Der Surfstick ist zwar 3G-fähig, nur leider steht der Standard erst nur in Ballungszentren zur Verfügung, so dass wir bei der Geschwindigkeit der Internetverbindung Abstriche machen müssen. Dank des in der Lodge befindlichen Safaricom Sendemastes haben wir jedoch eine EDGE Mobilfunkverbindung mit hervorragender Netzabdeckung, schnell und leicht eingerichtet.

4. Januar 2012

Karibu Kenya, willkommen in Kenia,

Bereits das Kofferpacken war eine riesige Herausforderung. Nachdem ich nur das Allernötigste im Koffer verstaut hatte, musste ich feststellen, dass das Gewicht meines Gepäckes sechs Kilogramm über dem lag was uns die Fluggesellschaft als Reisegepäck zugesteht. Sicherlich, ich hätte auch Übergepäck buchen können, doch jedes Kilo Übergepäck bei einem One-way-Flug nach Afrika wird von Condor mit 10,00 € berechnet. Da ich bei meinem Neuanfang in einem fremden Land mit unerwarteten Ausgaben rechnen muss, habe ich davon abgesehen. Also, hieß es, alles wieder auspacken, die Definition von notwendig überdenken und neu packen.

Der ostafrikanische Grabenbruch
Am Montag Mittag flogen wir von Düsseldorf mit der Lufthansa nach Frankfurt am Main. Dort gab es beim Boarding der Condor-Maschiene nach Nairobi bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das kenianische Behördentum. Die Fluggesellschaft wird von den kenianischen Behörden unter Druck gesetzt, dafür Sorge zu tragen, dass alle Ausländer bereits bei Einreise ein Rückflugticket haben. Da ich mit einer Kenianerin verheiratet bin, konnte in meinem Fall eine Ausnahme gemacht werden.<br />
Nach fast acht Stunden Flugzeit erreichten wir Nairobi am Dienstagmorgen. Die Schlange am Visumschalter war bereits recht lang, also hab ich mich einfach am Einreiseschalter für kenianische Staatsbürger eingereiht. Wir wechselten ein paar freundliche Worte mit dem Beamten auf Suaheli, überreichten ihm den Antrag und die üblichen 40,00 € für das Touristenvisum und bekamen den gewünschten Stempel, sowie eine halbe Quittung für die Gebühr. Da die Ecke der Quittung fehlt, auf der der Betrag stehen müsste, kann ich davon ausgehen, dass der Grenzbeamte sich eine Gehaltserhöhung gegönnt hat. Da machte es dann wohl auch nichts mehr aus, dass ich kein Ausreisedatum im Antrag angegeben habe.

Mbuzi choma
Eigentlich wollte ich von Nairobi aus mit dem Matatu, dem öffentlichen Bus, weiterreisen. Das ist immer ein spannendes Erlebnis. Doch wie sich herausstellte warteten bereits mein Schwiegervater und zwei seiner Neffen auf uns am Flughafen und boten an, uns in die Masai Mara zu fahren. In der Innenstadt von Nairobi wechselten wir bei der Bank einige Euro in Schillinge um, besorgten kurzerhand einen 3G-fähigen UMTS Surfstick, tankten den Wagen voll und schon waren wir wieder auf der Straße. Von unterwegs riefen unsere Begleiter, auch der Fahrer, ziemlich jeden an, den sie kennen, um davon zu berichten, dass sie sich einen Tag frei genommen haben um auf Safari (Suaheli für Reise) in die Masai Mara zu fahren. Das dürfte sicherlich bei den Bekannten für Gesprächsstoff sorgen, ist so eine Reise und vor allem die Parkgebühren für die meisten Kenianer unerschwinglich.

Nicht jeder bekommt einen
Platz im Bus
Auf halber Strecke etwa liegt Narok, die letzte Stadt die wir passieren würden. Hier machten wir halt, um unsren Hunger mit Mbuzi choma, auf dem Feuer geröstetem Ziegefleisch, zu stillen. Bis Narok ist die Straße kürzlich erst gut ausgebaut worden, ab hier jedoch wurde der Weg zusehends schwieriger. Je weiter die Straße nach Süden führt, umso zahlreicher und tiefer werden die Schlaglöcher, bis die Straße schließlich erst in eine Schotterpiste und später in einer Geländespur übergeht, die so tief eingefahren ist, dass man besser voran kommt, wenn man neben ihr durch das Grass fährt.

Am Nachmittag, nach insgesamt fast 30 Stunden Reisezeit, erreichten wir schließlich unser Ziel, Sarova Mara Game Camp. Müde von der Reise gönnten wir uns noch ein kühles Tusker, machten ein Beweisfoto für unsere Begleiter und fielen dann völlig erschöpft ins Bett.