29. März 2012

Ganz kenianisch, traditionell indisches Koroga


Gestern verbrachte ich einen der geselligsten Abende in Kenia bisher. Vor zwei Tagen traf ich Mr. Vara, der auch den Beinamen "Generator Terminator" trägt, ein Name der ihm nicht gerecht wird, denn Mr. Vara ist ein wahrer Meister, wenn es um Motoren geht. Eigentlich ist er auch schon in Rente, aber er selbst hat die Stromgeneratoren für unser Camp entworfen und kennt die Maschinen wie kein anderer. Wann immer es ein technisches Problem mit den Motoren gibt, ruft man ihn zur Hilfe und Mr. Vara unterbricht seinen Ruhestand.

Koroga heißt rühren
Vara ist Kenianer, indischer Abstammung. Im späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts brachten die britischen Kolonialherren eine Vielzahl an Arbeitskräften aus Indien nach Kenia um die Zuckerrohrplantagen zu bewirtschaften und Kenia-Uganda Railway zu bauen. Viele dieser Arbeitskräfte entschieden sich anstatt nach Indien zurück zu kehren in Kenia mit ihren Familien zu siedeln. So auch Varas Großeltern. Die Gemeinschaft indienstämmiger Kenianer beträgt heute geschätzt 100.000 Individuen. Ihre Kultur und ihre Bräuche sind im Laufe der vergangenen 150 Jahre ein fester Bestandteil der Kenianischen Gesellschaft geworden.


Es geht um Geselligkeit
Wir haben uns auf Anhieb angefreundet und für gestern Abend zum Koroga verabredet, eine der schönsten Traditionen, welche die Indische Gemeinschaft in Kenia eingeführt hat. Koroga ist Kisuaheli und heißt soviel wie "rühren". Die Zubereitung des Koroga ist tradionell Männersache. Nachdem wir Ziegenfleisch, Tomaten, Zwiebeln und Piri-Piri (äußerst scharfe, afrikanische Chillies) im nahe gelegenen Sekenani eingekauft hatten, trafen wir uns auf meiner Terasse und begannen mit dem Ritual.


Kleine Flamme, man nimmt sich Zeit
Das Ziel von Koroga ist nicht das Essen allein, es geht mehr um Geselligkeit. Das Koroga kochte für Stunden auf kleiner Flamme des Campingkochers und wir saßen die halbe Nacht draußen, erzählten uns beim Bier Geschichten und Witze, diskutierten, rührten und schmeckten gemeinsam ab. Wann immer das Bier seine Wirkung zeigte, gönnten wir uns eine Tasse von dem Sud und die Nüchternheit war wiederhergestellt. Vara ist nicht nur ein Meister der Motoren, sondern auch ein guter Geschichtenerzähler, der aus einem bewegten Leben als Ralleymechaniker, Fischer und nicht zuletzt Familienvater schöpft und obendrein ein hervorragender Koch. Wir haben uns, im wahrsten Sinne des Wortes, köstlich amüsiert.

28. März 2012

Saure Käfer und Colgate



Nairobifly, Quelle: Wikipedia
Gestern bemerkten wir am schwarzen Brett im Camp eine Mitteilung, die vor der Nairobifly warnt. Die Rede ist von einer Plage dieser kleinen Schädlinge. Es wird dringend abgeraten die Nairobifly bei Hautkontakt zu zerquetschen, sondern weg zu pusten, um eine Paederus Dermatitis zu vermeiden. Grund genug, sich schlau zu machen, ich recherchierte die Nairobifly im Internet etwas genauer. Eigentlich keine Fliege sondern zwei verwandte Spezies von Käfern, Paederus crebinpunctatus and Paederus sabaeus, sind unter diesem Namen geläufig. Äußerlich erinnern die rot schwarzen Biester mit einer Länge von 6-10 mm an Ameisen. Sie leben an Gewässern und legen ihre Eier in feuchtem Laub ab. Die heftigen Regenfälle vor wenigen Wochen, erklären also warum die Nairobifly nun zur Plage wurde.

Weder beißt die Nairobifly, noch sticht sie. Dennoch hat sie einen Verteidigungsmechanismus, der den Erhalt der Spezies gewährleisten soll. Bakterien im Körper des Käfers produzieren Pederin, eine starke organische Säure, die schon in geringsten Mengen die Zellteilung unterbindet und bei Hautkontakt zu einer Verbrennung führt, der Paederus Dermatitis. Die Krebsforschung hat wegen der hemmenden Wirkung auf die Zellteilung ein großes Interesse an dieser chemischen Verbindung, der Kontakt mit Pederin in der freien Natur ist allerdings eher unangenehm. Das Pederin wird frei gesetzt, wenn der Käfer zerquetscht wird, damit nutzt dieser Schutzmechanismus nicht dem Individuum, aber ähnlich dem Gift der Wespen, dem Erhalt der Spezies. Jedes Tier das den Käfer gekostet hat, wird von einem weiteren Versuch ablassen, da bin ich mir sicher.

Paederus Dermatitis
Vor zwei Wochen bemerkte ich an meinem linken Knöchel einen etwa zehn Zentimeter langen Striemen, den ich für einen oberflächlichen Kratzer hielt. Die Stelle war gerötet und brannte fürchterlich, besonders in der Sonne. Zwei Tage später begann die Haut entlang des vermeintlichen Kratzers kleine Bläschen zu werfen, ich ging von einer tropischen Bakterieninfektion aus. Ich entschied mich die Infektion zu beobachten und mich bei einer weiteren Ausbreitung oder ausbleibender Besserung einen Arzt aufzusuchen. Doch die Bläschen brachen im Laufe der nächsten Tage auf und bildeten eine dünne Kruste trockener Haut, das Brennen lies nach und bald löste sich die oberste Hautschicht. Darunter hat sich inzwischen ein Narbengewebe gebildet, das an eine Brandverletzung erinnert.

Bei Betrachtung von Bildern der Paederus Dermatitis im Netz, entdeckte ich identisch Symptome zu denen die ich an meinem Knöchel beobachten durfte. Es ist ja schön wenn man mitreden kann, aber auf diese Erfahrung hätte ich auch ganz gerne verzichtet. Inzwischen habe ich jedoch einige auch einfache Behandlungsmöglichkeiten gefunden. Colgate sei Dank, reibt man die Verbrennung frühzeitig mit Zahnpaste oder Essig ein, lässt das Brennen schnell nach und die Säure hinterlässt keine Narben. Das nächste mal weiß ich also was zu tun ist. Übrigens sind Paederus Käfer keine rein afrikanische Gattung, Verwandte der Nairobifly sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Nordamerika beheimatet, auch in Europa.

13. März 2012

Wild zum Frühstück

Frühstücksidylle
Am liebsten genieße ich meine morgenlichen Cornflakes und meinen Kaffee zum Frühstück auf der Terasse hinter dem Haus. Während vor dem Haus im Fuhrpark, der Werkstatt und der Schreinerei des Camps ganztägig Krach gemacht werden, ist die Terasse ein Ort der Ruhe, mit direktem Blick in einen kleinen Mischwald. Das Zirpen der Grillen und der Gesang unzähliger Vogelarten runden die Harmonie ab. Die dichte Flora und das Wechselspiel aus Licht und Schatten, wenn der Wind durch die Wipfel weht, machen es nicht einfach, doch wenn man still ist und genau hinschaut entdeckt man neben den vielen Vögeln, auch anderer Tiere. Meerkatzen, Paviane, Zwergmangusten und Riedböckchen ziehen durch den Wald und einmal störte auch eine Waldkobra meine Frühstücksidylle. Vor allem sehe ich jedoch mehrere Kirkdikdik, auch Zwergrüssel genannt.

Zwergrüssel oder Tapirböckchen
Das Kirkdikdik gehört zur Untergattung der Tapirböckchen, den kleinsten Antilopen in Afrika. Mit einer Schulterhöhe von bis zu 40 cm und einem Gewicht von bis zu 5 Kilogramm, sind nur geringfügig größer als ein Hase. Die Namen Tapirböckchen und Zwergrüssel verdanken sie ihrer im Vergleich zu anderen Böckchen verlängerten Schnauze, die sie wie ein Tapir in alle Richtungen bewegen können. Weiteres Merkmal der Dikdiks ist ein Haarbüschel auf der Stirn, dass sich bei Aufregung aufrichtet. Die Männchen haben zudem gerade, nach hinten abgewinkelte Hörnchen von bis zu 10 cm Länge.


Kirkdikdiks haben viele Fressfeinde, und sind daher eigentlich besonders scheu. Hier im Mara Sarova Camp, haben sie sich jedoch an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und ergreifen erst dann die Flucht, wenn man sich ihnen zu nähern versucht. Daher können wir die Dikdiks auch von unserer Terasse aus wunderbar beobachten, wenn sie sich am Gras oder an Knospen und Blättern gütlich tun.


Madoqua kirkii

Häufig sehen ich die Kirkdikdik zu zweit. In der Regel ein Männchen und ein Weibchen, denn im Gegensatz zu anderen Antilopen leben Dikdiks monogam, in lebenslangen Partnerschaften. Das Männchen verteidigt ein Revier. Wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen, verharren Dikdiks ersteinmal regungslos, lediglich das Männchen dreht den Kopf, schnüffelt und lauscht. Sollte es eine umittelbare Gefahr feststellen, wird das Männchen versuchen mit Warnrufen, von deren lautmalerischer Umschreibung sich der Name Dikdik ableitet, die Aufmersamkeit auf sich zu lenken und hakenschlagend wegzulaufen, während das Weibchen und gegebenenfalls die Jungtiere Deckung in den Büschen suchen. Dieses Verhalten konnte ich schon einige Male beobachten, wenn ich zur Kamera gegriffen habe.

Ihr Revier markieren die Dikdiks, nicht nur bei einem Eindringen von Artgenossen, sondern auch über allen anderen stärker riechenden Spuren. Ihre Angewohnheit ihren kleinen Kot auf dem von Elefanten zurückzulassen wurde in einer amüsanten Legende der Masai festgehalten, wonach ein Dikdik seinen eigenen Kot aufhäuft, in der Hoffnung den Elefanten eines Tages zu übertreffen. Zumindest übertrifft das Dikdik den Elefanten an Beliebtheit als Besucher bei meinem Frühstück auf der Terasse.

8. März 2012

Wenn der Regen kommt

Wenn Afrika mit Wasser in einen Kontext gestellt wird, dann zu meist weil eine Dürre herrscht und es an Wasser mangelt. An vielen Orten in Afrika ist dies auch die Regel, aber eben nicht immer und vor allem nicht überall. Auch hier in der Masai Mara gibt es lange Trockenperioden in denen die Wasserlöcher und ganze Flüsse austrocknen. Gewöhnlich folgt allerdings von Mitte Oktober bis Mitte Dezember die kleine und von März bis Ende Mai die große Regenzeit. Letztere kündigt sich dieses Jahr bereits jetzt an. Die Winde lassen im Allgemeinen nach und schlagen ungewohnte Richtungen ein und immer häufiger kommt es an den Nachmittagen und des Nachts zu Gewittern.

Regenzeit

Wie die Jahreszeiten in Europa, sind die Regenzeiten wichtig für den Jahreszyklus der Natur in Kenia. Die vertrocknete Steppe verwandelt sich jetzt allmählich in einen sattgrünen Teppich aus frischem Gras und schafft so die Grundlage für die alljährliche Migration, wenn Millionen Gnus, Zebras und Antilopen, auf der Suche nach frischen Weidegründen aus Tanzanias Serengeti in Kenias Masai Mara Nationalpark und wieder zurück wandern. Bei diesem Naturschauspiel und der Not, welche die Kenianer in Dürrezeiten erleiden müssen, ist es kaum vorstellbar, dass man sich hier über zu viel Wasser beschweren kann und doch die starken Regenfälle bereiten ebenso viele Probleme wie die Dürreperioden, wie wir vorgestern selbst beobachten durften.

Hindernis am Oloroktua
Für die Ballonfahrt einer größeren Reisegruppe am Mittwochmorgen war es notwendig, unseren Piloten im Fairmont Mara Safari Club mit einem weiteren Ballon zu unterstützen. Wegen des ohnehin schlechten Zustands der Straßen dauert die Autofahrt mit dem Geländewagen zu der in Luftlinie gerademal etwa 40 Kilometer entfernten Lodge für gewöhnlich zwei Stunden. Die Straße dorthin führt nach Norden aus dem Nationalpark heraus und durchquert drei saisonale Flüsse, wovon wir die ersten Beiden ohne größere Probleme passieren konnten. Aus der Ferne konnten wir jedoch bereits starken Regen in den Aitongbergen ausmachen. Als wir den Oloroktua, den letzten der drei Flüsse erreichten, hatte sich das gut zwei Meter tiefe, üblich trocken liegende Flussbett in einen Strom verwandelt, der über die Ufer trat und die Straße auf einer Länge von etwa 50 Meter überflutete. Unser Ziel lag nur noch etwa eine halbe Autostunde von uns entfernt und die kürzeste Umgehung würde uns mindestens zwei weitere Stunden kosten, wohl aber wenig Erfolg versprechen, da auch auf diesem Weg der Oloroktua zu überqueren wäre. So entschlossen wir stattdessen zu warten und zu schauen, ob der Wasserstand sich rückläufig entwickeln würde.

Nach kurzer Zeit entdeckten wir ein totes Rind, dass irgendwo Stromaufwärts von den Wassermassen überrascht worden und ertrunken sein musste und nun im ufernahen Dickicht trieb. Vieh ist die Lebensgrundlage vieler Masai und häufig auch harte Währung, zum Beispiel wenn es den Brautpreis zu entrichten gilt. Bedenkt man, dass so mancher Masai die Seinen mit nur einer kleinen Herde von 20 Tieren ernähren muss, kann der Verlust einer einzelnen Kuh äußerst schmerzlich sein.

Hängebrücke am Oloroktua
Gerade waren wir in Anbetracht weiterer heraufziehender Regenwolken zu dem Schluss gelangt, dass keine Aussicht auf eine Besserung der Situation besteht und ein längerer Umweg unausweichlich werden würde, da kam ein pudelnasser Masai aus den Büschen. Nachdem er auf der Straße erst einmal seine Kleider ordentlich ausgewrungen hatte berichtete dieser, dass er den Oloroktua auf einer neu errichteten Hängebrücke für Fußgänger an einer Enge einige hundert Meter flussaufwärts trockenen Fußes überquert hatte, nur um anschließend der Länge nach in eine Pfütze zu fallen. Nachdem wir ihm unser Beileid ausgesprochen hatte, setzt er seinen längeren Fußmarsch nach Hause fort und zog frierend die Straße hinauf in die Richtung aus der wir gekommen waren. Wir hingegen baten per Mobiltelefon ein Fahrzeug vom Mara Safari Club zu der Brücke zu senden und uns dort abzuholen. Eine halbe Stunde später traf das Fahrzeug ein. Die Brücke erwies sich als gut, wenn auch ein bisschen wackelig. Bis wir unser Gepäck und unsere Ausrüstung übergesetzt hatten mussten wir die Brücke einige Male überqueren, doch schließlich war alles im Abholfahrzeug verstaut. Nach einem weiteren Stopp in Aitong, einer kleinen Siedlung am Fuße der gleichnamigen Berge, bei dem wir uns mit Pommes, die über einem Kohlefeuer frittiert wurden und einem Bier gestärkt hatten, erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit letztendlich den Safari Club.
Aitong bei Nacht

In Anbetracht der Umstände muss man sagen, dass unsere Reise noch recht unkompliziert verlaufen ist. Nicht selten werden Reisende während der Regenzeit zwischen den saisonalen Flüssen von den Wassermassen überrascht und können ihre Reise weder fortsetzen noch an ihren Ausgansort zurückkehren und sind gezwungen teilweise mehrere Tage aus zu harren.

5. März 2012

Der lange Weg nach Kenia


Als ich letztes Jahr hörte, dass Transworld Safaris in Kenia dringend einen gewerblichen Ballonpiloten braucht, reifte der Entschluss mein Hobby und Nebenerwerb zum Beruf zu machen. Doch der Weg dorthin sollte nicht einfach werden.

Um in Kenia gewerblich Ballon zu fahren ist eine kenianische kommerzielle Pilotenlizenz (CPL) erforderlich. Die kenianischen Luftfahrtbehörden haben keinen Ausbildungsplan hierfür, daher ist es üblich entsprechende ausländische Lizenzen anzuerkennen. Nur funktioniert dies eben nicht mit der deutschen Pilotenlizenz für Ballonfahrer. Anders als in vielen anderen Staaten, wird in Deutschland die kommerzielle Ballonfahrt auf Grundlage einer Privatpilotenlizenz (PPL) mit der Erweiterung auf kommerzielle Nutzung ausgeübt. Eine kommerzielle Lizenz für Ballonfahrer, wie beispielsweise in Großbritannien, den USA oder auch in Kenia ist im deutschen Luftrecht nicht vorgesehen. Vorraussetzung für eine Anstellung in Kenia war also der Erwerb einer CPL, die dann in eine kenianische Lizenz konvertiert werden könnte. So machte ich mich im Mai auf nach England um meine Kenntnisse in Meteorologie, Navigation und dem englischen Luftrecht aufzufrischen und anschließend die theoretische Prüfung der britischen Luftfahrtbehörde zu absolvieren. Bei zwei weiteren Aufenthalten in England legte ich praktische Prüfungen ab und lies mich, wie von Transworld Safaris gefordert, vom Ballonhersteller Lindstrand Balloons ausgiebig in der Wartung und Reparatur von Brennersystemen, Gaszylindern und Ballonkörben ausbilden.

Mit einer britischen CPL für Ballons bis zu einem Volumen von 9.000 Kubikmeter im Gepäck reiste ich dann im Oktober nach Kenia. Doch anstatt eine sichere Zusage von Transworld Safaris zu erhalten, teilte man mir nun mit, ich müsse zuerst die kenianische Lizenz erwerben. Auf Nachfrage bei der kenianischen Luftfahrtbehörde KCAA erfuhr ich, dass für die Umschreibung neben meiner britischen Lizenz und meinen Logbüchern als Nachweis meiner fliegerischen Erfahrung, eine erneute theoretische Prüfung und das fliegerärztliche Eignungzeugnis eines kenianschen Fliegerarztes vorzulegen sind. Nach einem Besuch beim Fliegerarzt absolvierte ich also eine erneute Prüfung. Hier sollte ich schonmal einen Vorgeschmack auf die Schikane ausländischer Piloten durch die KCAA bekommen, ganz dezent hatte man versucht mir den Fragenkatalog für Erstprüfung kommerzieller Flugzeugpiloten unterzujubeln. Glücklicherweise fiel mir der vermeintliche Fehler auf und ich konnte gleich beim ersten Mal die richtigen Prüfungspapiere ausfüllen und die Prüfung bestehen. Nachdem ich also alle geforderten Unterlagen beisammen hatte, eilte ich erneut zur Behörde um die Lizenz zu beantragen, musste jedoch feststellen, dass man versäumt hatte mir mitzuteilen, dass man mir als britischen Staatbürger einen Englischtest und auch eine erneute praktische Prüfung abverlangen werde. Man konnte mir jedoch bei der KCAA nicht einmal die dort lizenzierten Prüfer benennen. Mein Aufenthalt in Kenia neigte sich seinem Ende und ich musste ersteinmal unverrichteter Dinge nach Deutschland zurückkehren.

Im Januar reiste ich mit Sack und Pack, fest entschlossen und ohne Rückflugticket nach Kenia. Nach Prüfungsfahrt mit dem selbst ausfindig gemachten Prüfer und bestandenem Enlischtest kontaktierte ich die Lizenzabteilung der KCAA um mich zu versichern, dass ich noch am Nachmittag meinen Antrag stellen könnte. Als ich jedoch bei der KCAA um 15.03 Uhr eintraf offenbarte sich mir, dass man bei unserem vorherigen Telefonat vergessen hatte darauf hinzuweisen, dass man bereits um 15.00 Uhr schließen werde.  Auch in den folgenden Tagen fanden sich Gründe, meinen Antrag nicht entgegen zu nehmen, sei es weil man die Antragsformulare nicht finden könne, Kopien der deutschen Lizenz, die man ja erst nicht akzeptieren wollte fehlten oder meine Logbücher, die man mir am Tage zuvor zurückgegeben hatte, weil die beiliegenden Kopien derselben ausreichen sollten, fehlten. Doch irgendwann war der Antrag schließlich gestellt und laut Aushang und mündlicher Auskunft der Behörde bedarf die Bearbeitung maximal vier Arbeitstage. Nachdem also eine Woche verstrichen war unternahm ich den ersten Versuch meine Lizenz abzuholen, stellte jedoch fest, dass die KCAA meine Akte verlegt hatte. Am folgenden Tag versicherte ich mich telefonisch, dass die Lizenz ausgestellt und abholbereit ist, bevor ich mich auf den Weg zur KCAA machte, und war trotzdem wenig überrascht, dass dies nicht der Fall war, nachdem man meine Akte erneut über eine Stunde lang suchen musste. Am nächsten Tag fiel auf, dass man mir nicht alle Antragsunterlagen ausgehändigt hatte und so brauchte ich etwa weitere zehn Anläufen bis ich endlich meine CPL in Händen halten sollte.

Bis zu diesem Punkt hatte ich die Kosten aller Reisen, Lehrgänge, Prüfungen und Anträge selbst getragen, was Transworld meinen Kollegen zumindest bezüglich der Kosten in Kenia stets abgenommen hatte. Trotzdem freute ich mich schließlich eine Zusage für die Anstellung bei Transworld Safaris zu bekommen. Arbeitsrechtliche Regelungen, wie in Deutschland, sind hier fremd und falls überhaupt vorhanden werden sie selten beachtet, so schlossen wir mündlich einen Vertrag. Die Kosten für die Beantragung der Arbeitserlaubnis würde Transworld jetzt übernehmen. Als man mir nach einigen weiteren Tagen dann mitteilte, man werde mich bis zum Erhalt der Arbeitserlaubnis unbezahlt beschäftigen müssen,war es an der Zeit einige subtile Anspielungen auf die Konkurrenz zu machen. Transworld Safaris steht in Wettbewerb mit fünf weiteren Unternehmen die Ballonfahrten in der Masai Mara anbieten, geeignete und willige Piloten sind selten und ich bin mir meines Marktwertes als vollständig lizenzierter Pilot durchaus bewusst. Die Arbeitserlaubnis folgte binnen zwei Tagen und ich konnte meine Arbeit als Ballonpilot in einem der schönsten Naturschutzgebiete der Welt endlich aufnehmen und dürfte mich kürzlich über mein erstes Gehalt freuen.