13. Januar 2012

Das kribbelnde Gefühl auf Safari

Kronenkiebitze im Flug
Im Januar, außerhalb der Urlaubssaison, gehen die Besucherzahlen im Masai Mara Nationalpark zurück. Dementsprechend niedrig ist die Nachfrage nach Ballonsafaris und so verging meine erste Woche hier ohne eine einzige Ballonfahrt. Nach Einarbeitung in die organisatorischen Abläufe im Unternehmen und etwas Papierkram blieb erst einmal nichts weiter zu tun als das schöne Wetter und die atemberaubende Schönheit der Natur zu genießen. Vor eigen Tagen entschlossen wir daher, eine ganztägige Ausfahrt im Nationalpark zu unternehmen und auf Fotosafari zu gehen.

Massaigiraffen
Das Gras in Savanne steht zur Zeit in Folge von den regelmäßigen, nächtlichen Regengüssen der vergangenen zwei Monate teilweise mannshoch, was den Gazellen, Zebras und Gnus selbst nicht geheuer ist, da die Räuber, wie Löwen, Hyänen, Geparden und Leoparden, farblich an das Goldgelb hervorragend angepasst sind, und selbst dann kaum auszumachen sind, wenn man sie direkt vor sich hat. Daher sind viele Tiere in andere Regionen abgewandert. Ich hörte wie zwei Touristenführer sich darüber beklagten, wie schwierig es zur Zeit sei, die Tiere in der Savanne auszumachen, und im Scherz meinten, das Gras wüchse sogar höher als die Bäume. Daher hielt ich es für angebracht uns diesmal einen sach- und ortkundigen Führer zu nehmen, anstatt mich völlig selbstständig auf die Suche nach dem Wild zu machen. Wir heuerten daher Rotich an, der sowohl zu Balloncrew gehört, aber auch zu einem der besten Führern im Unternehmeinen zählt.

Steppenzebras
Pünktlich, um acht Uhr morgens, fuhr er den Ihm zugeteilten Landcruiser vor, den er fünf Tage zuvor unter einem Busch geparkt und mangels Kundschaft seither nicht mehr bewegt hatte. Um keine Zeit zu verlieren, beeilten wir uns sämtliche Kameras samt Zubehör und eine Kühlbox mit Kaltgetränken im Wagen zu verstauen und verließen gleich das Camp. Ich nahm gerade Einstellungen an den Fotokameras vor, als Joyce vorschlug, das Fahrzeugdach zu öffnen. Alle Tourfahrzeuge hier draußen, haben ein Sonnendach, um das Fotografieren aus dem Wagen in jede Richtung zu ermöglichen. Es erschien mir eine gute Idee, auch diese Vorbereitung zu treffen, um nicht im entschiedenen Moment ein gutes Motiv zu verpassen. Ich unterbrach meine Arbeit an der Kamera, löste in voller Fahrt die Halterungen, drückte das Dach nach oben bis die Sperre einrastete und lies mich gleich wieder in den Sitz fallen, um mich weiter einer Kamera zu widmen. Ein Insekt krabbelte mir über die Stirn und ich wedelte, ohne mich weiter von meiner Kamera ablenken zu lassen, mit der Hand vor meinem Gesicht her, um die vermeintliche Fliege zu verscheuchen, als Joyce neben mir einen erstaunten Laut von sich gab und dann rief “Raus, raus, raus”. Sogleich breitete sich das Kribbeln von meiner Stirn über meinen ganzen Körper aus, als ich erkannte, dass ich über und über mit tausenden, winzigen Ameisen übersäht war. Ich blickte an mir herab und sah das der Sitz zwischen meinen Beinen nicht mehr zu sehen war, nur ein krabbelndes Gewirr aus schwarzen Ameisen. Und wie ich so herabschaute, ergoss sich weiter ein Regen aus Krabbelvieh in meinen Nacken. Rotich war gleich nach dem Ausspruch meiner Frau auf die Bremse getreten, aber noch bevor der Wagen zum stehen kam, hatte ich die Tür aufgerissen und war raus gesprungen. Und Joyce folgte mir zu gleich.

Ein hungriger Schakal schaut
zwei Löwen beim Fressen zu

In den fünf vorangegangen Tagen, als der Wagen nicht genutzt wurde, hatte sich unter dem Rand der Haube des Sonnendaches eine Ameisenkolonie gebildet, die sich, als ich das Dach öffnete wie ein Wasserfall von allen Seiten in den Wagen ergossen hatte. Hier standen Joyce und ich nun in der Savanne und schüttelten uns die Insekten aus sämtlichen Kleidungsstücken und vom Körper, während Rotich den Landcruiser von innen und außen von den Ameisen befreite. Glücklicherweise handelt es nur um eine harmlose, kleine Spezies und nicht um die Safariameisen, die so groß sind wie das Endglied meines kleinen Fingers, deren Bisse recht wehtun und die zudem, von einem Duftstoff geleitet, alle gleichzeitig zubeißen würden.

Agressiver Elefantenbulle
Nach dem wir alle Ameisen beseitigt hatten, setzten wir unseren Ausflug fort und verbrachten einen herrlichen Tag. Dank Rotichs Fachkenntnis und seinem guten Auge konnten wir unzählige verschiedene Tiere aufspüren. Unsere Ausbeute des Tages bestand in annähernd 700 Aufnahmen, einige darunter zählen wir zu unseren besten Motiven. Nur besaßen wir nicht die Gelassenheit uns gegenseitig mit unseren Ameisen zu fotografieren.

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