Bereits das Kofferpacken war eine riesige Herausforderung. Nachdem ich nur das Allernötigste im Koffer verstaut hatte, musste ich feststellen, dass das Gewicht meines Gepäckes sechs Kilogramm über dem lag was uns die Fluggesellschaft als Reisegepäck zugesteht. Sicherlich, ich hätte auch Übergepäck buchen können, doch jedes Kilo Übergepäck bei einem One-way-Flug nach Afrika wird von Condor mit 10,00 € berechnet. Da ich bei meinem Neuanfang in einem fremden Land mit unerwarteten Ausgaben rechnen muss, habe ich davon abgesehen. Also, hieß es, alles wieder auspacken, die Definition von notwendig überdenken und neu packen.
| Der ostafrikanische Grabenbruch |
Am Montag Mittag flogen wir von Düsseldorf mit der Lufthansa nach Frankfurt am Main. Dort gab es beim Boarding der Condor-Maschiene nach Nairobi bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das kenianische Behördentum. Die Fluggesellschaft wird von den kenianischen Behörden unter Druck gesetzt, dafür Sorge zu tragen, dass alle Ausländer bereits bei Einreise ein Rückflugticket haben. Da ich mit einer Kenianerin verheiratet bin, konnte in meinem Fall eine Ausnahme gemacht werden.<br />
Nach fast acht Stunden Flugzeit erreichten wir Nairobi am Dienstagmorgen. Die Schlange am Visumschalter war bereits recht lang, also hab ich mich einfach am Einreiseschalter für kenianische Staatsbürger eingereiht. Wir wechselten ein paar freundliche Worte mit dem Beamten auf Suaheli, überreichten ihm den Antrag und die üblichen 40,00 € für das Touristenvisum und bekamen den gewünschten Stempel, sowie eine halbe Quittung für die Gebühr. Da die Ecke der Quittung fehlt, auf der der Betrag stehen müsste, kann ich davon ausgehen, dass der Grenzbeamte sich eine Gehaltserhöhung gegönnt hat. Da machte es dann wohl auch nichts mehr aus, dass ich kein Ausreisedatum im Antrag angegeben habe.
| Mbuzi choma |
Eigentlich wollte ich von Nairobi aus mit dem Matatu, dem öffentlichen Bus, weiterreisen. Das ist immer ein spannendes Erlebnis. Doch wie sich herausstellte warteten bereits mein Schwiegervater und zwei seiner Neffen auf uns am Flughafen und boten an, uns in die Masai Mara zu fahren. In der Innenstadt von Nairobi wechselten wir bei der Bank einige Euro in Schillinge um, besorgten kurzerhand einen 3G-fähigen UMTS Surfstick, tankten den Wagen voll und schon waren wir wieder auf der Straße. Von unterwegs riefen unsere Begleiter, auch der Fahrer, ziemlich jeden an, den sie kennen, um davon zu berichten, dass sie sich einen Tag frei genommen haben um auf Safari (Suaheli für Reise) in die Masai Mara zu fahren. Das dürfte sicherlich bei den Bekannten für Gesprächsstoff sorgen, ist so eine Reise und vor allem die Parkgebühren für die meisten Kenianer unerschwinglich.
| Nicht jeder bekommt einen Platz im Bus |
Auf halber Strecke etwa liegt Narok, die letzte Stadt die wir passieren würden. Hier machten wir halt, um unsren Hunger mit Mbuzi choma, auf dem Feuer geröstetem Ziegefleisch, zu stillen. Bis Narok ist die Straße kürzlich erst gut ausgebaut worden, ab hier jedoch wurde der Weg zusehends schwieriger. Je weiter die Straße nach Süden führt, umso zahlreicher und tiefer werden die Schlaglöcher, bis die Straße schließlich erst in eine Schotterpiste und später in einer Geländespur übergeht, die so tief eingefahren ist, dass man besser voran kommt, wenn man neben ihr durch das Grass fährt.
Am Nachmittag, nach insgesamt fast 30 Stunden Reisezeit, erreichten wir schließlich unser Ziel, Sarova Mara Game Camp. Müde von der Reise gönnten wir uns noch ein kühles Tusker, machten ein Beweisfoto für unsere Begleiter und fielen dann völlig erschöpft ins Bett.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.