28. März 2012

Saure Käfer und Colgate



Nairobifly, Quelle: Wikipedia
Gestern bemerkten wir am schwarzen Brett im Camp eine Mitteilung, die vor der Nairobifly warnt. Die Rede ist von einer Plage dieser kleinen Schädlinge. Es wird dringend abgeraten die Nairobifly bei Hautkontakt zu zerquetschen, sondern weg zu pusten, um eine Paederus Dermatitis zu vermeiden. Grund genug, sich schlau zu machen, ich recherchierte die Nairobifly im Internet etwas genauer. Eigentlich keine Fliege sondern zwei verwandte Spezies von Käfern, Paederus crebinpunctatus and Paederus sabaeus, sind unter diesem Namen geläufig. Äußerlich erinnern die rot schwarzen Biester mit einer Länge von 6-10 mm an Ameisen. Sie leben an Gewässern und legen ihre Eier in feuchtem Laub ab. Die heftigen Regenfälle vor wenigen Wochen, erklären also warum die Nairobifly nun zur Plage wurde.

Weder beißt die Nairobifly, noch sticht sie. Dennoch hat sie einen Verteidigungsmechanismus, der den Erhalt der Spezies gewährleisten soll. Bakterien im Körper des Käfers produzieren Pederin, eine starke organische Säure, die schon in geringsten Mengen die Zellteilung unterbindet und bei Hautkontakt zu einer Verbrennung führt, der Paederus Dermatitis. Die Krebsforschung hat wegen der hemmenden Wirkung auf die Zellteilung ein großes Interesse an dieser chemischen Verbindung, der Kontakt mit Pederin in der freien Natur ist allerdings eher unangenehm. Das Pederin wird frei gesetzt, wenn der Käfer zerquetscht wird, damit nutzt dieser Schutzmechanismus nicht dem Individuum, aber ähnlich dem Gift der Wespen, dem Erhalt der Spezies. Jedes Tier das den Käfer gekostet hat, wird von einem weiteren Versuch ablassen, da bin ich mir sicher.

Paederus Dermatitis
Vor zwei Wochen bemerkte ich an meinem linken Knöchel einen etwa zehn Zentimeter langen Striemen, den ich für einen oberflächlichen Kratzer hielt. Die Stelle war gerötet und brannte fürchterlich, besonders in der Sonne. Zwei Tage später begann die Haut entlang des vermeintlichen Kratzers kleine Bläschen zu werfen, ich ging von einer tropischen Bakterieninfektion aus. Ich entschied mich die Infektion zu beobachten und mich bei einer weiteren Ausbreitung oder ausbleibender Besserung einen Arzt aufzusuchen. Doch die Bläschen brachen im Laufe der nächsten Tage auf und bildeten eine dünne Kruste trockener Haut, das Brennen lies nach und bald löste sich die oberste Hautschicht. Darunter hat sich inzwischen ein Narbengewebe gebildet, das an eine Brandverletzung erinnert.

Bei Betrachtung von Bildern der Paederus Dermatitis im Netz, entdeckte ich identisch Symptome zu denen die ich an meinem Knöchel beobachten durfte. Es ist ja schön wenn man mitreden kann, aber auf diese Erfahrung hätte ich auch ganz gerne verzichtet. Inzwischen habe ich jedoch einige auch einfache Behandlungsmöglichkeiten gefunden. Colgate sei Dank, reibt man die Verbrennung frühzeitig mit Zahnpaste oder Essig ein, lässt das Brennen schnell nach und die Säure hinterlässt keine Narben. Das nächste mal weiß ich also was zu tun ist. Übrigens sind Paederus Käfer keine rein afrikanische Gattung, Verwandte der Nairobifly sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Nordamerika beheimatet, auch in Europa.

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