8. März 2012

Wenn der Regen kommt

Wenn Afrika mit Wasser in einen Kontext gestellt wird, dann zu meist weil eine Dürre herrscht und es an Wasser mangelt. An vielen Orten in Afrika ist dies auch die Regel, aber eben nicht immer und vor allem nicht überall. Auch hier in der Masai Mara gibt es lange Trockenperioden in denen die Wasserlöcher und ganze Flüsse austrocknen. Gewöhnlich folgt allerdings von Mitte Oktober bis Mitte Dezember die kleine und von März bis Ende Mai die große Regenzeit. Letztere kündigt sich dieses Jahr bereits jetzt an. Die Winde lassen im Allgemeinen nach und schlagen ungewohnte Richtungen ein und immer häufiger kommt es an den Nachmittagen und des Nachts zu Gewittern.

Regenzeit

Wie die Jahreszeiten in Europa, sind die Regenzeiten wichtig für den Jahreszyklus der Natur in Kenia. Die vertrocknete Steppe verwandelt sich jetzt allmählich in einen sattgrünen Teppich aus frischem Gras und schafft so die Grundlage für die alljährliche Migration, wenn Millionen Gnus, Zebras und Antilopen, auf der Suche nach frischen Weidegründen aus Tanzanias Serengeti in Kenias Masai Mara Nationalpark und wieder zurück wandern. Bei diesem Naturschauspiel und der Not, welche die Kenianer in Dürrezeiten erleiden müssen, ist es kaum vorstellbar, dass man sich hier über zu viel Wasser beschweren kann und doch die starken Regenfälle bereiten ebenso viele Probleme wie die Dürreperioden, wie wir vorgestern selbst beobachten durften.

Hindernis am Oloroktua
Für die Ballonfahrt einer größeren Reisegruppe am Mittwochmorgen war es notwendig, unseren Piloten im Fairmont Mara Safari Club mit einem weiteren Ballon zu unterstützen. Wegen des ohnehin schlechten Zustands der Straßen dauert die Autofahrt mit dem Geländewagen zu der in Luftlinie gerademal etwa 40 Kilometer entfernten Lodge für gewöhnlich zwei Stunden. Die Straße dorthin führt nach Norden aus dem Nationalpark heraus und durchquert drei saisonale Flüsse, wovon wir die ersten Beiden ohne größere Probleme passieren konnten. Aus der Ferne konnten wir jedoch bereits starken Regen in den Aitongbergen ausmachen. Als wir den Oloroktua, den letzten der drei Flüsse erreichten, hatte sich das gut zwei Meter tiefe, üblich trocken liegende Flussbett in einen Strom verwandelt, der über die Ufer trat und die Straße auf einer Länge von etwa 50 Meter überflutete. Unser Ziel lag nur noch etwa eine halbe Autostunde von uns entfernt und die kürzeste Umgehung würde uns mindestens zwei weitere Stunden kosten, wohl aber wenig Erfolg versprechen, da auch auf diesem Weg der Oloroktua zu überqueren wäre. So entschlossen wir stattdessen zu warten und zu schauen, ob der Wasserstand sich rückläufig entwickeln würde.

Nach kurzer Zeit entdeckten wir ein totes Rind, dass irgendwo Stromaufwärts von den Wassermassen überrascht worden und ertrunken sein musste und nun im ufernahen Dickicht trieb. Vieh ist die Lebensgrundlage vieler Masai und häufig auch harte Währung, zum Beispiel wenn es den Brautpreis zu entrichten gilt. Bedenkt man, dass so mancher Masai die Seinen mit nur einer kleinen Herde von 20 Tieren ernähren muss, kann der Verlust einer einzelnen Kuh äußerst schmerzlich sein.

Hängebrücke am Oloroktua
Gerade waren wir in Anbetracht weiterer heraufziehender Regenwolken zu dem Schluss gelangt, dass keine Aussicht auf eine Besserung der Situation besteht und ein längerer Umweg unausweichlich werden würde, da kam ein pudelnasser Masai aus den Büschen. Nachdem er auf der Straße erst einmal seine Kleider ordentlich ausgewrungen hatte berichtete dieser, dass er den Oloroktua auf einer neu errichteten Hängebrücke für Fußgänger an einer Enge einige hundert Meter flussaufwärts trockenen Fußes überquert hatte, nur um anschließend der Länge nach in eine Pfütze zu fallen. Nachdem wir ihm unser Beileid ausgesprochen hatte, setzt er seinen längeren Fußmarsch nach Hause fort und zog frierend die Straße hinauf in die Richtung aus der wir gekommen waren. Wir hingegen baten per Mobiltelefon ein Fahrzeug vom Mara Safari Club zu der Brücke zu senden und uns dort abzuholen. Eine halbe Stunde später traf das Fahrzeug ein. Die Brücke erwies sich als gut, wenn auch ein bisschen wackelig. Bis wir unser Gepäck und unsere Ausrüstung übergesetzt hatten mussten wir die Brücke einige Male überqueren, doch schließlich war alles im Abholfahrzeug verstaut. Nach einem weiteren Stopp in Aitong, einer kleinen Siedlung am Fuße der gleichnamigen Berge, bei dem wir uns mit Pommes, die über einem Kohlefeuer frittiert wurden und einem Bier gestärkt hatten, erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit letztendlich den Safari Club.
Aitong bei Nacht

In Anbetracht der Umstände muss man sagen, dass unsere Reise noch recht unkompliziert verlaufen ist. Nicht selten werden Reisende während der Regenzeit zwischen den saisonalen Flüssen von den Wassermassen überrascht und können ihre Reise weder fortsetzen noch an ihren Ausgansort zurückkehren und sind gezwungen teilweise mehrere Tage aus zu harren.

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