13. März 2012

Wild zum Frühstück

Frühstücksidylle
Am liebsten genieße ich meine morgenlichen Cornflakes und meinen Kaffee zum Frühstück auf der Terasse hinter dem Haus. Während vor dem Haus im Fuhrpark, der Werkstatt und der Schreinerei des Camps ganztägig Krach gemacht werden, ist die Terasse ein Ort der Ruhe, mit direktem Blick in einen kleinen Mischwald. Das Zirpen der Grillen und der Gesang unzähliger Vogelarten runden die Harmonie ab. Die dichte Flora und das Wechselspiel aus Licht und Schatten, wenn der Wind durch die Wipfel weht, machen es nicht einfach, doch wenn man still ist und genau hinschaut entdeckt man neben den vielen Vögeln, auch anderer Tiere. Meerkatzen, Paviane, Zwergmangusten und Riedböckchen ziehen durch den Wald und einmal störte auch eine Waldkobra meine Frühstücksidylle. Vor allem sehe ich jedoch mehrere Kirkdikdik, auch Zwergrüssel genannt.

Zwergrüssel oder Tapirböckchen
Das Kirkdikdik gehört zur Untergattung der Tapirböckchen, den kleinsten Antilopen in Afrika. Mit einer Schulterhöhe von bis zu 40 cm und einem Gewicht von bis zu 5 Kilogramm, sind nur geringfügig größer als ein Hase. Die Namen Tapirböckchen und Zwergrüssel verdanken sie ihrer im Vergleich zu anderen Böckchen verlängerten Schnauze, die sie wie ein Tapir in alle Richtungen bewegen können. Weiteres Merkmal der Dikdiks ist ein Haarbüschel auf der Stirn, dass sich bei Aufregung aufrichtet. Die Männchen haben zudem gerade, nach hinten abgewinkelte Hörnchen von bis zu 10 cm Länge.


Kirkdikdiks haben viele Fressfeinde, und sind daher eigentlich besonders scheu. Hier im Mara Sarova Camp, haben sie sich jedoch an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und ergreifen erst dann die Flucht, wenn man sich ihnen zu nähern versucht. Daher können wir die Dikdiks auch von unserer Terasse aus wunderbar beobachten, wenn sie sich am Gras oder an Knospen und Blättern gütlich tun.


Madoqua kirkii

Häufig sehen ich die Kirkdikdik zu zweit. In der Regel ein Männchen und ein Weibchen, denn im Gegensatz zu anderen Antilopen leben Dikdiks monogam, in lebenslangen Partnerschaften. Das Männchen verteidigt ein Revier. Wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen, verharren Dikdiks ersteinmal regungslos, lediglich das Männchen dreht den Kopf, schnüffelt und lauscht. Sollte es eine umittelbare Gefahr feststellen, wird das Männchen versuchen mit Warnrufen, von deren lautmalerischer Umschreibung sich der Name Dikdik ableitet, die Aufmersamkeit auf sich zu lenken und hakenschlagend wegzulaufen, während das Weibchen und gegebenenfalls die Jungtiere Deckung in den Büschen suchen. Dieses Verhalten konnte ich schon einige Male beobachten, wenn ich zur Kamera gegriffen habe.

Ihr Revier markieren die Dikdiks, nicht nur bei einem Eindringen von Artgenossen, sondern auch über allen anderen stärker riechenden Spuren. Ihre Angewohnheit ihren kleinen Kot auf dem von Elefanten zurückzulassen wurde in einer amüsanten Legende der Masai festgehalten, wonach ein Dikdik seinen eigenen Kot aufhäuft, in der Hoffnung den Elefanten eines Tages zu übertreffen. Zumindest übertrifft das Dikdik den Elefanten an Beliebtheit als Besucher bei meinem Frühstück auf der Terasse.

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